Immer wieder wird in den Medien die Diagnose ADHS kontrovers diskutiert und von einer Modediagnose gesprochen. Beschrieben wurde die Symptomdimension der Konzentrationsstörung allerdings zum ersten Mal bereits 1775 von einem deutschen Arzt und 1980 wurde sie in das Diagnostische und Statistische Manual (DSM-III) der American Psychiatric Association (APA) als Diagnose aufgenommen.
Fest steht, dass es in den letzten Jahrzenten zu einem deutlichen Anstieg der Diagnoseraten weltweit kam, in Deutschland zuletzt jedoch zu einer Stagnation dieser Entwicklung. Dabei stiegen auch die Verschreibungszahlen von Psychostimulanzien nicht mehr an. Studien der letzten 30 Jahre konnten weiter zeigen, dass es nicht zu einem plötzlichen Anstieg von ADHS-Patienten kam, sondern, dass dieser Anstieg der besseren Erkennung und damit einhergehend der häufigeren Diagnosen des Störungsbildes zuzuschreiben ist.

ADHS ist heute eine der häufigsten psychischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter mit einer Prävalenz von 5,3%. Inzwischen steht fest, dass ADHS sich nicht „auswächst“, sondern oft auch im Erwachsenenalter fortbesteht. Dabei weisen nicht mehr alle Patienten die gleichen Symptome wie im Kindesalter auf, doch sind immer noch 2,5% der Erwachsenen von ADHS betroffen.

Combination of a number of divers looking little preschool children isolated on white standing
Betrachtet man also die Häufigkeit einer ADHS im Erwachsenenalter sind besonders auf die entwicklungsabhängigen Veränderungen der Symptome zu achten. Damit ist gemeint, dass sich die drei Hauptsymptome in unterschiedlicher Weise je nach Alter äußern. Steht bei einem Vorschulkind mit ADHS z.B. noch die ausgeprägte Bewegungsunruhe im Vordergrund, so tritt diese im Erwachsenenalter nicht mehr auf, zeigt sich aber dennoch in einem inneren Unruhegefühl. Ebenso wird im Schulalter besonders das Symptom der Unaufmerksamkeit auffallen, da gerade dann ein konzentriertes Mitarbeiten erwartet wird. Später entwickelt sich die Aufmerksamkeitsspanne zunehmend weiter, doch bleibt sie im Vergleich mit Gleichaltrigen ohne ADHS zurück.
Es ist weiterhin nicht ausreichend geklärt inwieweit tatsächlich ein Rückgang der ADHS vom Kindes- ins Erwachsenenalter stattfindet oder inwiefern die noch nicht altersangepassten Diagnosekriterien der ADHS im Erwachsenenalter zu einer Unterrepräsentation führen.